Divisione e moltiplicazine dello specchio [Division and Multiplication of the Mirror]

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Michelangelo Pistoletto

1978

Sculpture, 2 x (100 x 45 cm).
Materials: wood, goldpaint, mirror

Collection: Collection M HKA, Antwerp (Inv. no. BK5538_M53).

Im Gesamtwerk Michelangelo Pistolettos ist Reflexion ein sehr wichtiges Merkmal. In der Serie Divisione e moltiplicazione dello specchio (dt. Teilung und Vervielfachung des Spiegels) aus 1975-1978, zeigt er das in der meist wesentlichen Form, indem er mit Spiegeln arbeitet. Das Werk in der Kollektion des MuHKA enthält einen enormen Spiegel, vertikal in zwei gleichgroße Teile verteilt und eingerahmt durch einen Goldrahmen. Die ‘divisione dello specchio‘ ist also wortwörtlich anwesend, während die ‘moltiplicazione‘ immer stärker wird, in dem Maße, wie die zwei Spiegelhälften in einen immer kleineren Winkel gesetzt werden und somit einander mehr und mehr reflektieren und also vervielfachen. Für Michelangelo Pistoletto ist die Teilung von einem Spiegel und das gegenseitige Reflektieren von den Teilen eine Metapher für das Entstehen des Alls: Es entstand aus dem Nichts und vervielfachte sich durch Teilung. Die Spiegel reflektieren nicht nur sich selbst, sondern auch die Umgebung und die eventuellen Zuschauer. Die Besucher werden in diesem Sinne also Teil des Kunstwerks, wodurch eine Ambiguität zwischen Realität und Reflexion entsteht. Die Zuschauer können das Werk nur verstehen, wenn sie selbst Teil davon sind, somit die Grenze zwischen Objekt und Subjekt verschwimmt. Die Vervielfachung des Spiegels kann auch gesehen werden in der Tatsache, dass Pistoletto aus einem Spiegel zwei Spiegel gemacht hat. Der schwere Goldrahmen unterstreicht, sowohl wortwörtlich als figürlich, diese Tatsache, dass dieser alltägliche Gegenstand zum Kunstwerk erhoben wurde. Ein Thema, das ebenfalls einen roten Faden bildet innerhalb des Gesamtwerks des Künstlers, ist die Zeit. In Divisione e moltiplicazione dello specchio werden die Zuschauer von der Zeit ertappt durch das Verschwimmen der Bilder: Besucher kommen und gehen, der Lichteinfall der Sonne verändert sich und was zeigt uns besser das Verrinnen der Zeit als unser eigenes Bildnis im Spiegel? Diese Serie von verteilten Spiegeln ist eine weitere Verbesserung von Pistolettos Spiegelmalereien aus den 60er Jahren, worin die Zuschauer, neben ihrer eigenen Reflexion, mit einer anderen Figur konfrontiert werden. Der Mensch, der sich Fragen stellt in einer dauernd sich verändernden Welt, ist ein Bild, das beide Arten reflektierende Werke deutlich wachrufen und das auch in den späteren multidisziplinären Werken zurückkommen wird.

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